Paula Dreyser

Paulas Rezension: "Nanny mit Herz" von Danielle A. Patricks

Es lohnt sich, Krisen aktiv anzugehen, sein Leben in die Hand zu nehmen und der Liebe immer wieder eine Chance zu geben. Eine liebevolle, erfüllte Beziehung ist nun mal das Größte und am Ende muss man sich zu seinen Gefühlen bekennen. Das ist die Botschaft des Romans.

Sehr erfreulich ist, dass die Leser das bekommen, was das Buch verspricht: eine Liebesgeschichte, die sich nicht ohne Schmerzen abspielt. Titel, Reihentitel und Cover lassen niemanden im Unklaren. Wer dieses Genre, gerade mit einer Portion Schicksal mag, versteht die „äußeren Zeichen“.

Überhaupt sieht das Buch insgesamt ansprechend aus und erfüllt formale Standards wie z.B. Impressum, Satz u. ä., was nicht gering zu achten ist. Mein Herz schlägt schon höher, wenn ich im Impressum lese, dass ein Lektor bzw. eine Lektorin am Werk war. Wunderbar!

Die Autorin baut ihre Geschichte nach einem klassischen Muster auf. Ein auslösendes Moment katapultiert die Protagonistin in eine Ausnahmesituation. Alles ändert sich. Nichts bleibt, wie es war. Schnell steht sie vor einem sprichwörtlichen Abgrund. Die Geschehnisse legen dabei offen, dass nicht nur Jenny mit ihrem Minderwertigkeitskomplex ein „persönliches Päckchen“ zu tragen hat, sondern alle anderen auch. Es kommt zu einem Spannungshöhepunkt, bevor sich eine Lösung abzeichnen kann.

Genau hier lauert aber auch eine Falle. Liebesromane sind Genre-Romane, die sich natürlich an den Erwartungen der Leserinnen orientieren. Das ist keinesfalls etwas Schlechtes, aber die Gefahr besteht, Muster zu wiederholen und Klischees zu bedienen. Schreiber befinden sich alsbald auf einer Gratwanderung zwischen dem allzu Offensichtlichen und einer inhaltlich, sprachlich und vom Aufbau her gut gearbeiteten Geschichte über das Leben und die Liebe.

Am ehesten zeigen sich für mich Schwächen in diesem Sinne in dem für meinen Geschmack mitunter zu exzessivem Gebrauch von Adjektiven und in Formulierungen, die – ein Klischee bedienen. Auf Seite 14 heißt es: „Ein lautes Schluchzen schüttelte sie und ihr Körper krümmte sich vor innerlichem Schmerz zusammen.“

An einigen Stellen empfand ich die Sprache auch als etwas zu „süßlich“.  – „Papa nimmt zwischen seinen Zwerglein platz“ (S. 43). Häufig gibt es einen „Schmatz“.

Auf der anderen Seite wurde ich hin und wieder aus dem „wohligen Lesen“ herausgerissen, weil Jenny etwas sagte, was mir viel zu förmlich klang. Auf S. 70 unterhält sie sich mit Max über ihre künftige Zusammenarbeit. „In Zukunft geht es um die Kinder, und dass ich meine Aufgabe zu Ihrer Zufriedenheit ausführe. Es wäre von Vorteil, wenn ich Sie zu gegebener Zeit damit konfrontieren dürfte.“ Das warf mich komplett raus.

All dies fiel mir gerade deshalb ins Auge, weil die Autorin auf der anderen Seite ihren Charakteren eine psychologische Tiefe gegeben hat und – sehr gut – dem Moment der persönlichen Entwicklung ihrer Protagonistin viel Raum eingeräumt hat. Diese Gestaltungsmittel liegen jenseits des Klischeehaften.

 

Von diesen Punkten abgesehen, die natürlich etwas mit meinem persönlichen Lesegeschmack zu tun haben, ist „Nanny mit Herz“ eine gelungene Liebes- und Herzgeschichte, spannend und flüssig erzählt, mit ansprechenden Charakteren. Liebhaberinnen dieses Genres werden die Geschichte lieben. Ihnen sei die Lektüre wärmstens empfohlen. Ich gebe für die „Nanny mit Herz“ 4 Sterne und bin gespannt auf weitere Lektüre von Danielle A. Patricks.

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