Paula Dreyser

"Mein GI für einen Sommer", 2. Leseprobe

„Wie meinst du das?“, hatte sie ihn gefragt mit wild pochendem Herzen, während Rod Stewart im Hintergrund mit heiserer Stimme I Am Sailing … in die Welt hinausrief.

„Du hast mich verstanden, Marita. Ich mache Schluss, denn ich werde aus den USA nicht zurückkommen. Mein Vater braucht meine Hilfe“, hatte er geantwortet, sie unter dem Kinn gefasst und flüchtig auf den Mund geküsst. Dann war er aufgestanden und gegangen. I am sailing, stormy waters …

“Er ließ dich dann einfach sitzen?” Sophies Augen sprühten grüne Blitze. „Was für ein Mistkerl!“, fügte sie leidenschaftlich hinzu.

Marita schloss die Augen. Es breitete sich wieder in ihr aus – dieses furchtbare Gefühl, ausgeschlossen und alleine zu sein. Sie kannte diesen Gemütszustand so gut, ein Erbe ihrer Mutter. Nach dem Abend im Sportlerheim in diesem vergangenen wunderbaren Sommer mit Anthony war sie nicht ein einziges Mal in ein solches Stimmungsloch gefallen. Sie begann zu zittern. In ihrem Bauch stürzte etwas ein. Anthony, ich wollte dich so sehr … Alles war so – lebendig mit dir!

Sophie rückte näher und legte den Arm um Marita, die sich an sie lehnte und erstaunt feststellte, dass sie immer noch nicht weinen konnte. Can you hear me?

 

Anthony hustete und reichte den Joint weiter. Die Dunkelheit schien in der Anlage am Stadtrand noch dichter. Das tat ihm gut. Er wäre gerne in sie hineingeschlüpft. Welch ein absurder Gedanke!

Mit Rick und zwei anderen GIs seiner Einheit stand er in der Nähe der Mauer, von der Marita gesprungen war – vor einer Ewigkeit, wie es ihm vorkam. Zwei weitere Gruppen verteilten sich über den Platz. Er hoffte, dass die Wirkung bald eintreten würde, denn er wollte vergessen. Marita! Er mochte sie, sogar sehr. Aber eine feste Freundin – das war nicht mehr drin, nicht in seiner jetzigen Situation. Sein Dad brauchte Geld, war in Schwierigkeiten geraten. Mit Schwarzmarktgeschäften wollte Anthony schnell Geld verdienen, um ihn zu unterstützen. Dadurch kam er mit ein paar gefährlichen Leuten in Kontakt. Und Marita war seine Schwachstelle.

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