Paula Dreyser

Gastbeitrag von Ira Ebner: Red Jim, der Held aus "Cold Britannia" - eine unveröffentliche Passage

Zurück zum Ausgangspunkt, Nottinghamshire 1984: Die Kohlekumpel legen die Arbeit nieder und protestieren. Red Jim, wie sie ihn nennen, stellt sich als Gewerkschaftsführer hinter sie. Aber nicht ganz Nottinghamshire schließt sich dem Streik an - darum gilt die Grafschaft im Norden noch immer als "Scab County". 

James' Konfrontationskurs mit Polizei und Regierung stellen nicht nur seine Stellvertreter Jack Archer und Marc Scarfold in Frage - auch zu Hause stößt er bei seiner Frau Caitlin auf wenig Verständnis. Was zwischen den beiden einst als Studentenliebe begonnen hatte, ist längst zu einer Fassade mit zwei Kindern im Reihenhaus geworden. Der Streik mit seinen abendfüllenden Krisensitzungen und vor dem Zechentor lässt den Rosenkrieg eskalieren. 

Und schließlich ist da die junge, emanzipierte Hester, die genauso für Menschlichkeit kämpft wie er selbst ...

Eine unveröffentliche Passage aus dem Manuskript von "Cold Britannia"

Auf James‘ Schreibtisch stapelte sich das Papier. Anweisungen von oben. Der Kaffee dampfte in der Tasse und er versenkte zwei Stück Zucker. Er faltete die Zeitung auf. Thornton: Unsere Antwort ist Streik, darunter er selbst, vor den Mikrofonen, der Wind stellte ihm die Haare auf. Das Telefon läutete. Hester verband. Dringend. Er nahm die trockene Zigarette aus dem Mund und hob den Hörer ab.

„Hier Mansfield“, meldete sich der Kollege. „Wie sieht es aus, Jim? Bekommt ihr die Mehrheit zusammen?“

In der Leitung knackte es, als schaltete sich noch jemand ein

„Sieht so aus“, antwortete James.

Er blieb vage, da er spürte, dass jemand mithörte. Er setzte sich.

„Wir brauchen euch“, sagte der Kollege. „Wir zählen auf dich.“

„In zwei Stunden treffe ich mich mit Ellsworth“, sagte James.

Das Gespräch mit den Bossen vom NCB war kein Geheimnis.

„Um zu verhandeln“, fuhr er fort.

„Was gibt es denn noch zu verhandeln?“, entgegnete der Kollege.

„Er hat Gesprächsbedarf“, erklärte James. „Wir gehen rein, dass es nicht den Anschein hat, wir seien unzuverlässig. Auch wenn das NCB die Zeche dicht machen will und das ebenfalls beschlossene Sache ist. Ellsworth ist nur ein Verwalter, mehr nicht.“

„Na schön, geh hin“, sagte der Kollege. „Wenn er jemanden zum Reden braucht, vielleicht heult er sich bei dir aus. Viel Erfolg, Genosse.“

Er beendete das Gespräch. Hester blieb in der offenen Tür stehen.

„Komm ruhig rein“, sagte James und legte den Hörer auf.

Er rührte den Kaffee, nahm einen Schluck und steckte sich die Zigarette an. Sie brachte ihm ein weiteres Schreiben.

„Noch eine Antwort“, sagte sie. „Am besten liest du sie selbst.“

„Danke“, entgegnete James.

Hester wandte sich ab. James schlug die Mappe auf. Wieder ein Ortsvorsitzender, der erklärte, dass eine Zeche nicht von der Schließung betroffen war und er daher keinen Grund sah, zu streiken. James fühlte einen Klumpen in seinem Magen. Verdammt! Er zog fest an seiner Zigarette. Rauchschwaden drinnen, Wolken draußen. Am Himmel zog etwas auf. James rauchte die Zigarette und sah auf die Uhr. Er lutschte ein Fisherman’s und verließ sein Büro.

„Ich geh zur Zeche rüber“, sagte er zu Hester.

„In Ordnung“, entgegnete sie.

Im Flur traf James auf Marc Scarfold. Der stellte sich ihm in den Weg und fragte: „Alles in Ordnung, Genosse? Wohin gehst du?“

„Was soll sein?“, entgegnete James. „Du weißt, dass ich zu Dick muss.“

„Und, was willst du ihm sagen?“, fragte Scarfold. „Es sieht nicht gut aus. Nicht für uns. Also überleg dir was.“

„Was soll ich mir überlegen?“, fragte James.

„Vielleicht solltest du mit Dick über etwas anderes reden als den Streik“, sagte Scarfold. „Jamie, du blamierst dich. Ich hab dich gewarnt, dass wir keine Mehrheit zusammenkriegen.“

„Woher willst du das wissen?“, entgegnete James. „Ich hab keine Zeit, mit dir darüber zu diskutieren. Schon gar nicht hier im Flur. Ich werde schon mit ihm fertig.“

Scarfold trat zur Seite. James eilte die Treppen hinunter.

 

© Ira Ebner 2014

 

 

 

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