Paula Dreyser

Gastbeitrag: Ira Ebner stellt ihre Romanheldinnen vor

Hesters deutsches Gegenstück ist Gesa Steenborg. Das g wird norddeutsch zu einem sanften ch ausgehaucht. Ihre eigenen ehrgeizigen Ziele hat Gesa hinter die Karriere ihres Mannes Arne gestellt. Über Nacht wird er Kanzlerkandidat, tritt an mit einer Kampfansage gegen Finanzkapital, Steuerhinterzieher und Spekulanten – und mit dem Versprechen, für gesellschaftlichen Fortschritt und soziale Gerechtigkeit zu sorgen. In dem Augenblick, wo Arne Steenborg nach seiner Rede dem Podium den Rücken zukehrt, beginnt eine würdelose und schmutzige Medienkampagne gegen ihn. Eine Rechnung ist offen, und zwar mit dem Banker Albert Morsbach, dessen Bank Arne in seiner Zeit als Minister kurzerhand verstaatlicht hatte, um Deutschland vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu retten. Mit jedem Mittel soll ein Macht- und Politikwechsel verhindert werden, der für Morsbach und Co. eines bedeuten würde: Der Verlust ihres Einflusses auf die Geschicke in Berlin und das Ende ihrer Spekulationen auf den Staat.

Nicht lange bitten lassen sich die mächtige Verlegerin Charlotte Taube und der Chefredakteur der Blick-Zeitung Ralf Schmid, um sich auf die Kampagne gegen den Sozialdemokraten einzuschießen. Statements werden verdreht und in einen falschen Zusammenhang gebracht - schließlich soll er demontiert werden.

Auch Gesa bekommt den Druck zu spüren und weiß, wer die Strippen zieht. Der Blick wühlt genauso unerbittlich in ihrer Vergangenheit, um den Wählerwillen zu manipulieren. War sie gar eine Kommunistin? Ist sie eine deutsche Eleanor Roosevelt, die ihrem Mann politische Entscheidungen einflüstert?

Das Intrigenspiel verlangt ihr sehr viel Kraft ab, aber auch Sachlichkeit und Besonnenheit. Eisern hält sie zu ihrem Mann und spricht in der Öffentlichkeit klare Worte.

Dabei begann Gesas Weg als Beisitzerin im SPD-Ortsverein ... Dort lernt sie ihren Mann kennen

Leseschnipsel aus "Das deutsche Spiel". Ein Flashback:

Arne saß ihr gegenüber, den Kopf zur Seite geneigt. Auf seinen Lippen lag ein draufgängerischer Zug. Er spielte mit dem Kugelschreiber und sah sie dabei von oben bis unten an.

Dann meldete er sich zu Wort, stand auf, um ihr zu widersprechen. Ja, es brauche die Stationierung der Pershings. Das konnte Gesa ihm nicht verübeln. Er belebte die Debatte und sie. Als er sich seinem Nachbarn zuwandte, zeigte er ihr die Schulter. Der Vorsitzende sprach das Schlusswort. Sie hatte es eilig. Bevor Arne es bemerkte, war sie fort. Es würde ein nächstes Mal geben, ohne Männerrunden und kalte Schultern.

 

© Ira Ebner 2016

 "Cold Britannia" als E-Book und Taschenbuch

"Das deutsche Spiel" befindet sich zurzeit noch im Lektorat. Veröffentlichung ist für Juni 2017 geplant.

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