Paula Dreyser

Amerikaner in Mainz, I - Rodeo, Volksmarsch, Panzer ...

Mainzer Allgemeine Zeitung v. 23.05.77: Ein Bericht über den traditionellen Amerikanischen. Volksmarsch vom 22.05.77 - Ein cleverer Amerikaner zapfte für die Teilnehmer vor dem Start in der Kathen Kaserne nochschnell ein Bier.


MAZ v. 24.07.78: Rodeo, Barbecue, Hamburger - Auf dem großen Sand in Mainz-Mombach organisierte der Deutsch-Amerikanische Freundschaftsverein ein Rodeo. Nach anfänglichem Zögern waren die Mainzer begeistert. Einige genossen ihren ersten "Hämbörger". Es gab Probleme mit der Musik. Statt "Hillybilly-Musik" hörte man manchmal AFN oder HR. Die Mainzer erlebten "Cheerleader". Ein Cowboy wurde von einem Stier getreten und erlitt eine Armverletzung.


MAZ v. 13.12.77: Oberbürgermeister Jockel Fuchs ernennt sechs amerikanische Ladys zu (ehrenamtlichen) Bürgermeisterinnen. Die Position der Ladymayors ist im Rahmen des Community-Life Programms der US-Militärgemeinde von Brigadegeneral David Martin ins Leben gerufen worden. Die Aufgabe der Damen besteht darin, Schwierigkeiten im Zusammenleben von deutschen und amerikanischen Bürgern abzubauen.

 

C-Rations, Reforger und Kalter Krieg

Leseprobe aus "Calling USA" von Paula Dreyser

Gespräch zwischen Steve und Mike, beide in Lee Barracks stationiert, mit ihren deutschen Freundinnen im Sommer 1978. Sie befinden sich in der Wohnung von Birgits Mutter in Wiesbaden (Nebenschauplatz - der Hauptschauplatz ist Mainz). Birgits Mutter und Birgits Bruder Hans sind ebenfalls anwesend.

Durch das Küchenfenster fielen Sonnenstrahlen in den Raum und malten ein Streifenmuster auf den Tisch.
Lydia schmiegte sich fester an Steve, der sie daraufhin sachte aufs Haar küsste.
„Clark und Steve, bedient euch. Esst ordentlich Kuchen, bevor es wieder ins Field geht.“ Hans griff nach der Kuchenschaufel.
Die beiden wehrten lachend ab.
Lydia und Birgit schauten sich an. In einer Woche würden ihre Freunde wieder ins Manöver fahren. Saure-Gurken-Zeit!
„Endlich wieder C-Rations, klasse.“ Clark stöhnte.
Steve verzog das Gesicht.
„Bitte was für Rations?“, wollte Birgits Mutter wissen.
„C-Rations, ‘canned rations’“, erklärte Steve. „Einige stammen noch vom Koreakrieg.“
„Klar!“ Lydia winkte ab.
Birgit schüttelte den Kopf.
„Doch, ist so, das stimmt.“ Nachdrücklich nickte Steve.
„Klingt eklig.“ Birgits Mutter rümpfte die Nase.
„Na ja, die kleinen Jungs reißen sich drum.“ Clark rückte seine Brille zurecht.
„Wie meinst du das?“ Birgit kuschelte sich an ihn.
„Wenn wir mit unseren Panzern und Geländewagen durch die Dörfer fahren, müssen wir manchmal warten, bis wieder alle beisammen sind. Kaum stehen wir da, kommen die kleinen Kerle. Wir geben ihnen Geld, damit sie uns etwas zu essen und Bier besorgen. Dafür kriegen sie C-Rations. Besonders beliebt sind Erdnussbutter, Cracker und Jelly!“
„Und Schokolade“, fügte Steve hinzu. „Mann, ist das nicht der helle Wahnsinn. Die Kinder kommen immer wieder zurück. Sie bringen nicht nur das Bier, sondern auch das Wechselgeld.“
„Also wieder Baumholder.“ Lydias gute Laune verebbte.
„Bad Hersfeld.“ Steve zündete sich eine Zigarette an.
„Wieso Bad Hersfeld?“
Steve streichelte ihr beruhigend über die Schulter. „In Baumholder werden Übungsschießen mit den Panzern abgehalten, also genau genommen wird gecheckt, ob wir das treffen, worauf wir zielen. Jetzt im September läuft Reforger. Das ist eine viel größere Operation, die immer in dünn besiedelten Gegenden stattfindet.“
„Dafür brauchen wir nämlich Platz“, warf Clark grinsend ein.
„Jawohl!”, mischte sich Hans wieder ein. „Return of Forces to Germany! Ein Großmanöver der US-Streitkräfte. Die Einheiten aus den Staaten kommen nach Deutschland und üben sozusagen den Ernstfall. Bundeswehr und andere alliierte Streitkräfte sind ebenfalls beteiligt.“
„Ja und?“ Birgit zog die Augenbrauen nach oben. „Was genau macht ihr da?“
„Wir beziehen Stellung entlang der Zonengrenze.“ Clark machte eine Pause. „Innerhalb von vierundzwanzig Stunden müssen die Einheiten ihr Material übernommen haben und einsatzbereit sein.“
„Wow!“ Mehr konnte Birgit nicht sagen.
Danach herrschte eine gewisse Sprachlosigkeit. Lydia empfand den Moment als seltsam bedrückend. Ernstfall, Zonengrenze, Stellung beziehen. Ihr dämmerte eine Erkenntnis, die noch keine Konturen gewonnen hatte, aber bereits ein flaues Gefühl im Magen verursachte. Gleichzeitig kam es ihr so vor, als würde sie aus einem Dornröschenschlaf erwachen. Sie drehte sein Gesicht in ihre Richtung. „Was genau ist das für ein Material, von dem ihr redet?“
„Panzer, Fahrzeuge, Flugzeuge, Waffen …“ Offen und unverwandt sah er sie an, so wie immer.
„Und der Ernstfall? Was ist damit gemeint?“ Lydia vertiefte sich in das Braun und Grün seiner Augen, um einen Halt zu haben. Hazel Eyes!
„Das weißt du doch. Die Russen greifen an. Der Dritte Weltkrieg beginnt.“

Panzer in Gonsenheim. Danke Liborio Lee Palermo II für die Fotos!

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