Paula Dreyser

Calling USA: Prolog 1 - Zwischenzeiten

Ende Februar 1991

 „Die USA sind jetzt mit Panzern im Irak.“ Lina sah ihre Enkelin erwartungsvoll an.

„Oma, was soll ich denn jetzt dazu sagen?“, entgegnete Lydia.

„Meinst du, dass Steve dort ist?“

Lydia begann, innerlich zu frieren. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, antwortete sie mit bebender Stimme. „Ich habe vor Jahren einige Male mit ihm telefoniert, da war er Zivilist und arbeitete gerade als Autoverkäufer.“ Trotzig hielt Lydia dem traurigen Blick ihrer Großmutter stand.

„Vielleicht war er Reservist. Dann kann er wieder eingezogen werden, wenn es einen Krieg gibt.“ Mit den Fingern der rechten Hand trommelte Lina auf dem Tisch, während sie ihre Enkelin nicht aus den Augen ließ.

Das Geräusch der Finger auf dem Holz löste in Lydia einen Fluchtinstinkt aus. Ich will weg! Was ist nur los mit mir? Warum regt mich das so auf? „Oma, sieh mich nicht so an. Ich habe keine Ahnung, wo er ist und was er tut, aber ich glaube nicht, dass er im Irak kämpft. Es war 1983 oder 84, als wir das letzte Mal Kontakt hatten.“ Ich hoffe so sehr, dass er nicht im Golfkrieg ist.

„Wollte er dich da nicht sogar besuchen?“ Lina trank einen Schluck Kaffee, schmatzte dabei, weil sie ihr Gebiss nicht im Mund hatte.

Sie hörte auf, zu trommeln und Lydia entspannte sich etwas. Aber ihr Magen fühlte sich flau an. „Ja, aber es ist nichts daraus geworden, weil er keinen Pass hatte.“

„Ach“, Lina seufzte. „Ich mochte ihn, war ein netter Kerl und – hübsch.“

Lydias Sonnengeflecht vibrierte, nur ganz sacht, aber sie wusste, es würde heftiger werden. Sie hatte ihrer Großmutter etwas verschwiegen. Damals am Telefon hatte Steve davon gesprochen, dass er sich mit dem Gedanken tragen würde, wieder in die Armee einzutreten.

„Der Steve, der war doch bei den Panzern?“

„Ja Oma, genau.“ In Lydias Unterleib raste eine Achterbahn um eine sehr enge Kurve.

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